Feuerwehr Recklinghausen

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Historische Drehleiter

Die Geschichte der alten Drehleiter

Die Magirus – Patent – Autoleiter der Feuerwehr Recklinghausen blickt auf eine bewegte und mit Anekdoten gespickte Geschichte zurück. Sie erhielt die Erstzulassung bei der Feuerwehr Recklinghausen am 15. März 1930. Dort versah sie im Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren zuverlässig an der alten Wache am Herzogswall ihren Dienst.

Diese harten Zeiten gingen nicht spurlos an ihr vorüber, sodass im August 1950 eine Reparatur an diversen Verschleißteilen nötig war und die so schwerwiegend waren, dass die Leiter außer Betrieb genommen werden musste. Die Instandsetzung sollte 700 Mark kosten, doch aufgrund einer schwierigen Haushaltslage der Stadt Recklinghausen war kein Geld verfügbar, deswegen wurden die Arbeiten, die 6 Wochen dauerten, auf das Frühjahr 1951 verlagert. Zum Vergleich: Die Arbeitsstunde für den Techniker von Magirus, der für die Reparatur extra nach Recklinghausen kam, betrug 3,75 Mark.
alte DL
Anschreiben DL Im April 1953 hingegen war noch genug Geld für eine komplette Lackierung der Drehleiter vorhanden, sodass sie im September 1954, noch voll einsatzbereit, an den Löschzug Suderwich übergeben werden konnte. Im November 1954 verlor die Drehleiter schließlich ihre Zulassung zur Menschenrettung, da sie nach wie vor eine Vollgummibereifung besaß. Im Februar 1961 ging die Drehleiter als Arbeitsleiter an den Löschzug Ost.

Im Einsatz für den Löschzug Ost verursachte die Drehleiter ihren einzigen dokumentierten Verkehrsunfall. Bei einer Rückfahrt von einer technischen Hilfeleistung beschädigte sie den Opel Rekord des Chefarztes eines Recklinghäuser Krankenhauses. Der Schaden am Opel Rekord betrug seinerzeit 553,35 Mark, die Drehleiter erlitt keine Beschädigungen. Der unglückliche Fahrer der Drehleiter musste vor Ort eine Strafe von 5 Mark zahlen.

Im September 1965 sollte die Magirus – Patent – Autoleiter dem Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda übergeben werden. Auf dem Weg nach Fulda wurde die Drehleiter zum Jubiläum der Feuerwehr in Frankfurt am Main ausgestellt. Von Frankfurt aus fand sie jedoch nie den Weg nach Fulda, sondern verblieb dort bis 1975.

Weder das Feuerwehrmuseum in Fulda, noch die Feuerwehr Recklinghausen hatten Kenntnis vom Verbleib des Fahrzeugs. Durch einen Zufall sah ein Recklinghäuser Feuermann in einer Zeitung wie die Drehleiter in Frankfurt am Main anlässlich einer Hochzeit durch die Stadt gezogen wurde (siehe Bild rechts)

Dies meldete der Feuerwehrmann dem Leiter der Feuerwehr Recklinghausen Brandamtmann Schlüter, der daraufhin vergeblich schriftlich versuchte die Leiter zurückzufordern. In einer Nacht-und-Nebelaktion fuhr Schlüter mit Britischen Soldaten und einem Tieflader nach Frankfurt, um die Leiter nach Recklinghausen zurückzubringen.

Zeitungsartikel
Zeitungsartikel


Vor Ort klärte sich die Situation schnell auf und die Drehleiter wurde von der Feuerwehr Frankfurt in Freundschaft zurückgegeben.

Im Triumphzug und unter großem Interesse der Presse erreichte der Oldtimer Recklinghausen.

Bei den befreundeten Britischen Soldaten der "Preston-Barracks" (die britische Kaserne in Recklinghausen welche nach der Partnerstadt benannt war) bedankte man sich für ihre Hilfsbereitschaft mit einer gemeinsamen Feier.

Zeitungsartikel

 

Ab diesem Zeitpunkt stand die Drehleiter in der ZS-Halle im Stadtteil Ost und fristete dort ihr Dasein. Lediglich bei seltenen Gelegenheiten (wie Festumzügen) wurde die Leiter noch bewegt. Das war weder für den Motor noch für die beweglichen Fahrzeugteile wirklich Gut.

Dann wurde sie 2001 im Gerätehaus des Löschzugs Süd untergestellt da die alte ZS-Halle im Zuge des Neubaus der Feuer- und Rettungswache verkauft wurde. Da dies erst nur eine Notlösung war, wurden vorerst keine Reparaturen durchgeführt. Schnell aber fanden sich Kameraden, die den Zustand der Leiter verbessern und ihr geschichtliches sowie kulturelles Erbe erhalten wollten. In jahrelanger Arbeit wurde die Drehleiter in ihren jetzigen fahr- und funktionstüchtigen Zustand versetzt.
DL Umzug von der ZS Halle
Restaurierung der Drehleiter:
Mitte 2006 wurde mit der Restaurierung der alten Drehleiter begonnen. Maßgeblich vorangetrieben wurden die Arbeiten von Michael Jany, Sebastian Seitz und Ronny von Borzykowski. Andere Kameraden des Löschzugs unterstützten sie bei Bedarf mit ihrem Fachwissen und halfen ebenfalls bei der Instandsetzung. Zuerst wurde die Elektrik restauriert. Hierzu wurden alle Kabel neu verlegt und die Zündanlage erneuert, sodass die Drehleiter im Dezember 2006 das erste mal nach langer Zeit wieder fahrbereit war. Von den ersten Erfolgen angespornt gingen die Arbeiten weiter. Im Jahr 2007 stand eine komplette Überholung des Motors an. Er wurde in seine Einzelteile zerlegt, gereinigt, instand gesetzt und wieder
zusammengebaut. Dabei trat ein Defekt des Vergasers auf: Im Schwimmer aus Messing hatten sich kleine Haarrisse gebildet, sodass dieser ständig voll lief und seine Funktion nicht mehr erfüllte. Erste Reparaturversuche führten nicht zum Erfolg, der Schwimmer musste aufwändig mit Tankinnen- und Außenbeschichtung abgedichtet werden.
Restauration
Leiterpartk
Anfang 2008 wurde der hölzerne Leiterpark demontiert und der Schreinerei Wachs aus Recklinghausen übergeben, die die Instandsetzungsarbeiten an dem betagten Material vornahmen. Im August 2008 konnte der Leiterpark wieder auf das Fahrgestell gehoben und befestigt werden. Seitdem ist der Leiterpark wieder voll einsatzbereit und funktionsfähig. Eine weitere Aufgabe in 2008 bestand darin die Messingteile zu polieren, um der Drehleiter ihren verlorenen Glanz wiederzugeben. Hier wurde festgestellt, dass viele Messingteile im Vorfeld unsachgemäß überlackiert wurden. Aus diesem Grund war es erforderlich die Messingteile abzubauen und in Handarbeit abzuschleifen und zu polieren. Zusätzlich fielen Arbeiten am undichten Kühler an. Er wurde an vielen Stellen abgedichtet und gelötet. Im Jahr 2009 wurden Ölwanne und Motorinnenraum gereinigt. Letzterer wurde ebenfalls poliert und neu lackiert, zusätzlich wurden die Zündkabel erneuert. Die Kotflügel, Seitenbleche und die Motorhaube wurden demontiert und der Lackiererei Lingk übergeben, die die Arbeiten ausführte. Ferner wurden die Scheinwerfer instand gesetzt und deren Scheiben zum Teil erneuert. Es wurden auch weitere Holzarbeiten durchgeführt, bei denen die Trittbretter und Gerätefächer neu zugeschnitten und lackiert wurden.
In 2010 wurde der Haupttank abgedichtet, der noch manchmal etwas leckte, da die Innenquerstreben undicht waren. Eine Generalüberholung des Getriebes lag auch in diesem Jahr an. Ingesamt haben die Arbeiten an der historischen Magirus – Patent – Autoleiter vom Typ K 20 bisher weit über 5000 Arbeitsstunden in Anspruch genommen, die alle ehrenamtlich und ohne Bezahlung geleistet wurden.

Die Materialkosten wurden teilweise von ansässigen Firmen oder vom Förderverein des Löschzugs Süd der Feuerwehr Recklinghausen übernommen.
Motor


Motor
Der Motorblock vor der Instandsetzung



Der Motorblock nach der Instandsetzung




Technische Daten:

Magirus – Patent – Autoleiter Typ: K 20
Steighöhe: 25 Meter
Hersteller: Magirus
Erstzulassung: 15. März 1930
Motor: 4-Zylinder Viertakt-Reihenmotor mit Wasserkühlung und hängenden Ventilen
Hubraum: 10.235 cm³
Leistung: 70 PS
Zündanlage: Magnetzündung und Batteriezündung

Verbrauch auf 100 Kilometer: 50 Liter Normalbenzin
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Text und Informationen:
Tobias Schäfer und Julian Breninek

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