Feuerwehr Recklinghausen

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Historie

Es begann also 1900...

 

Im Stadtarchiv ist zu lesen, dass Hochlar (von Hucht lare=gerodete Stelle am Hügel) eine der ältesten Ortschaften des Vestes Recklinghausen ist und der Mittelpunkt einer Hundertschaft der alten Germanen war. Von daher schon ist es natürlich anzunehmen, dass wegen des Alters des Ortes auch im 19. Jahrhundert Aktivitäten im Vereinsleben zu verzeichen waren (z.B. die Bürgerschützengilde von 1860). Oft hieß es, "Im vorigen Jahrhundert hatten in Gemeinden die Männer nur ungern den Dienst in der sogenannten Pflicht-Wehr ausgeübt. Nach dem großen Brand beim Landwirt X traten aber einige einsichtige (weitsichtige) Büger im Saale der örtlichen Gastwirtschaft zusammen, um eine Feuerwehr auf freiwilliger Basis zu gründen..." Bei der Pflicht-Feuerwehr haperte es offensichtlicht am Einsatzwillen, wodurch schon die Grundlage für eine tadellose Arbeit fehlte. In der Gemeinde Hochlar ist es sicher auch so ähnlich gewesen. Aus Überlieferungen der "alten Kämpfer" wissen wir dieses allerdings recht ungenau. Wir geben zu, dass hierfür keine Details schriftlich festgehalten sind. Hochlar war damals eine selbstständige Gemeinde und noch nicht ein Teil von Recklinghausen. In den Archiven ist nicht viel nachzulesen und die Kriege mit ihren unruhigen Zeiten haben zur Erhaltung von Schriftstücken sicher nicht beigetragen. Die älteste schriftliche Unterlage sagt aus, dass am 1.4.1900 Männer aus Hochlar der Feuerwehr beigetreten sind. Diese Sektion von lzhochlar.de soll u.a. auch eine möglichst komplette Dokomunetation sein; denn in diesesn Jahren tritt der Rest der Mannschaft ab, die man noch als Verbindungsnaht zwischen der Vorkriegsgeneration und der nun nachrückenden Jugend verstehen kann. Mit diesem "Rest" würde wahrscheinlich viel "Wissen von früher" verlorengehen. Das Leben im Dorf... Es geht vorwärts. Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung - ab 1901 fuhr zum Beispiel die Strassenbahn-Linie 1, später 210, der Vestischen Strassenbahnen mitten durch Hochlar (10.Mai 1901 - 30.Mai 1981) - machte bei den Männern der ersten Stunde nicht halt. Sie bekamen eine Handdruckpumpe mit einem Handkarren für 150m Schläche sowie 10-15 Ledereimer. Eine rote Armbinde zierte die Aktiven. Ein Spritzenhaus ist verzeichnet, welches auf dem Gelände der alten Schule an der Bockholter Strasse stand und zwar etwa in Höhe des heutigen Hauses Nr.7. Es hat dreieinhalb Jahrzehnte seinen Zweck erfüllt. 1905 nahm die "Hamm-Osterfelder-Reichsbahn" den Betrieb auf, die Linie 10 der "Vestischen" folgte und der zuständige Minister machte damals auf die "enorme" Verkehrsgefahren aufmerksam. 1912 wurde Hochlar an das Netz der elektrischen Stromversorgung angeschlossen. Die Entwicklung nahm also ihren Lauf - auch in der jungen Wehr.

Die wenigen Männer mit der vielleicht ersten Bürgerinitative sind schnell aufgezählt: Einheitsführer war Johann Engeln, Großvater von H.J. Schneiders. Ferner waren Josef Groß-Albenhausen, Johann Marpe, Josef Metz, Bernhard Ackrath und Heinrich Kassing genannt. In den spärlichen Unterlagen hat der damalige Chronist auch einige erwähnenswerte Brandeinsätze notiert: 1900: Bauer Reichenberg (nicht wieder aufgebaut) 1900: Anwesen Schürmann (Bessling,Wiesenstr.) 1904: Bauer Schneider 1905: Scheune des Bauern Korth (Blitzschlag, neugebaut) 1906: Bauer Backs 1908: Kotten Timmers (Wohnung neugebaut, Hertner Str.209) 1910: Bauer Schulte 1917: Hof Berse (nicht wieder erbaut)

Johann Engeln

schneiders

Zu Beginn des 1.Weltkriegs hatten die Wehr mit Josef Schneiders den 2.Enheitsführer bekommen, der bis zum Ende von Preussens Gloria das Amt innehatte. Rüsckschläge stellten sich ein und die Europhie der ersten Jahre war dahin - oder das Strohfeuer war erloschen. Als 1918 im kleinen Hochlar 99 Tote oder Vermisste gezählt wurden, von denen auch einige der Feuerwehr angehöhrten, war das nach der Niederlage des Deutschen Reiches sicher nicht ermutigend.

Aber es musste ja weitergehen und mit Josef Groß-Albenhausen stand nach dem Debakel ein Mann an der Spitze der Wehr, dem man die Eigenschaften der Westfalen nachsagen konnte. Es ist verbürgt, dass dieser für die Hochlarer Wehr so erfolgreicher Mann Anno 1933 Flagge zeigte, in dem er sich z.B. weigerte, die Übungen mit dem damals neuen "deutschen Gruß" zu eröffnen. Er wurde prompt als "Ehrenbrandmeister" in die Altersriege versetzt. Vorbeugender Brandschutz ist aus der Zeit 1920 erstmals erwähnt. Das Ministerium gestatte in Schulen die Verwendung von Lehrfilmen, wenn einige Auflagen erfüt waren. Es hatte eine Belehrung zu erfolgen, ferner war das Rauchverbot strikt einzuhalten und zwei Eimer Wasser mussten bereitstehen.

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Weitsichtige Männer hatten in den 30er Jahren den volkswirtschaflichen Verlust durch Brandschäden erkannt und versuchten dagegenzusteuern. Ein Mittel dazu waren jährlich die "Feuerwehrverhütungswochen", die hier in Recklinghausen im Rathaussaal eröffnet wurden. Im Jahre 1930 z.B. fand diese zeit vom 24.4 bis 4.5 statt und zwar im gesamten Deutschen Reich. Sie wurden von 30000 Wehren durch Umzüge und Übungen zur Unterweisung der Bevölkerung mit Leben erfüllt. Während der Besetzung des Reviers durch französische Truppen sind entweder keine Aufzeichnungen gemacht worden, oder diese sind verlorengegangen. Nach dem Bekanntwerden des Gesetzes über die Neuregelung der kommunalen Grenzen im Industrierevier vom 26.2.1926 sprudelte die Quelle der Information zum Glück wieder ergiebiger. Das Amt Recklinghausen - Hochlar gehörte dazu - wird aufgelöst, und die Ortschaften Hochlar sowie Stuckenbusch werden u.a. am 1.4.1926 der Stadt Recklinghausen zugeordnet. In der Generalversammlung am 29.8.1926 wurden die neuen Statuten des Stadtfeuerwehrverbandes vorgetragen, erörtert und von den Anwesenden angenommen. Hier beginnt also ein neues Kapitel. Wenn der geschätzte Leser/Insider zwischen den Zeilen zu lesen versteht, kann er mit Schmunzeln Tatsachen erfahren, die damals wie heute die Arbeit belastet, aber auch beflügelt haben. So ist z.B. am 29.10.1927 der Bericht vom Brand bei Paul, Kleinherner Str. 16 zu verstehen: „Als die Hochlarer Wehr um 12.30 Uhr mittags (!) aus dem Brunnen des Nachbarn Wasser gab, traf die Altstadt-Wehr ein ...“ oder „Das „Honorar“ für die Theaterwachen - 50 % kamen in die Kameradschaftskasse und 50 % erhielt der Wachmann - sollte schneller abgefordert werden, so lautete eine Forderung der Mannschaft.“ Beispiel 3: „ Bei der Festlegung von Zuschüssen aus der Kameradschaftskasse für Festlichkeiten gab es oft nicht geringe Meinungsverschiedenheiten“ Solche Feste hatten damals in der TV- und autolosen Zeit einen hohen Stellenwert. Weitere Parallelen könnte man anfügen. Die Stammrolle vom 1.4.1929 zeigt erstmals die Mannschaftsstärke von 36 Männern - wie heute. Für das Jahr 1929 wurden vier Brandeinsätze notiert. Leider ist dazu nichts Näheres verzeichnet. Ferner sind sechs Übungen und zusätzlich vier Alarmübungen verzeichnet. Von diesen ist aus heutiger Sicht eine besonders auffällig. Man hatte nämlich sechs Kinder (!) aus dem ersten Stock der Stuckenbuscher Schule ins Sprungtuch springen lassen. Originaltext: „... ohne auch nur den geringsten Schaden zu erleiden

Aus dieser Phase sind auch zwei Kuriosa zu vermelden. Als die Männer der Wehr mit Mützen ausgestattet wurden, mussten die Kameraden diese Anschaffung mit monatlich einer halben Reichsmark abbezahlen. Ferner ist der Antrag bei der Stadt auf Bezuschussung der neuen Sirene erwähnt. Der Teamgeist war ausgeprägt. Ein Beispiel hierfür ist die Verkürzung einer Feier, weil man am nächsten Morgen geschlossen (!) zur Beerdigung eines Kameraden antrat. Die Beteiligung an der Ausrichtung der Volkstrauertage - damals übrigens im März(!) - war eine beschlossene Ehrensache. Am 12.02.1929 wurden mit Fritz Reichmannsen und Wilhelm Schäfers (der spätere „Baas“) zwei neue Leute aufgenommen, die später noch „tragende Rollen“ beim Löschzug Hochlar haben sollten. Die ersten 30 Jahre waren nun zurückgelegt. Die Alarmierung hatte damals wie heute eine große Bedeutung, um die Wehr einsatzbereit zu machen.

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Die 30er Jahre Im Jahre 1930 sind wieder präzise Aufzeichnungen gemacht worden. Es ist von drei Bränden berichtet, und zwar am 2. Juni um Mitternacht bei der Witwe Gertrud Breuing, Rottstr. 16, ferner am 7.6.1930 in der Bäckerei Rademacher (Kühne), Bockholter Straße und schließlich am 2.7. um 2.55 Uhr beim Metzger Winkelmann, Hertener Straße. Hier ist zu bemerken, dass der Chronist verurteilt hat, per Telefon die Altstadt-Wehr alamiert zu haben „... dieses hat in Zukunft ein für allemale zu unterbleiben ...“ Aus dem Jahre 1930 wird berichtet, dass die Motorisierung nun auch in Hochlar ihren Anfang nahm. Die erste Motorspritze wurde eingeweiht.

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Die aufgelisteten Brände von 1931:

16.5.1931, abends 20.45 Uhr: Sirenen-Alarm, Bauer Godde, Disteln 6.6.1931, 13.30 Uhr: Sirenen-Alarm, Blitzschlag beim Stellmachermeister und Löschzugführer Josef Groß-Albenhausen, Sandweg. Es brannte ein Elektromotor. 11.8.1931 um 12.55 Uhr: Es brennt das Anwesen des Dachdeckermeisters Anton Queren, Rottstr. (heute etwa Standort des Förderkübels am Hochlar-Center). Der Chronist bemerkt dazu: „... vom Alarm bis einschließlich des Kommandos „3.Rohr Wasser marsch“ vergingen 8 Minuten. Da die zur gleichen Zeit alarmierte Altstadt-Wehr volle 15 Minuten „verstreichen“ ließ, wäre halb Hochlar abgebrannt, das Anwesen dem Erdboden gleichgemacht und sechs Familien obdachlos geworden ...“. 19.12.1931: Es heulte um 6.30 Uhr die Sirene. Im Hause des Händlers Drücks, Bockholter Straße, ist in der Bäckerei (Kühne) ein Dampfrohr geplatzt. Ferner sind für 1931 neun Vorstandssitzungen, sieben Versammlungen, sechs Wachen und zehn Übungen vermerkt. Hier nun auch einmal etwas zu den wirtschaftlichen Verhältnissen jener Zeit: Der I. und II. Brandmeister bekamen als Aufwandsentschädigung je 20 RM/Jahr. Beim Appell wurde beklagt, dass nur eine Hose zur Verfügung stehe, und zwar für alle Anlässe. Die Unfallkasse der Provinz zahlte nur 13 Wochen - das war bei größeren Schadenfällen zu wenig. Das Glas Bier bei den Festen, die oft als Familienfeiern (!) bezeichnet waren, kostete 10 Pfennige. Die Strerbekasse ist in dieser Zeit erstmals erwähnt. Wie schwierig die Zeiten gewesen sein müssen, zeigen z.B. die wiederholten Hinweise auf die Winterhilfe. Aus der Kameradschaftskasse sind einige Male Beträge an diese Hilfseinrichtung geflossen. Ein Antrag an den Herrn Stadtbaurat Witt gibt zum Nachdenken Anlass. Er beinhaltet die Bitte auf Gewährung von 5 Liter Gasolin für die Benzinlampe und von Reservegläsern sowie Strümpfen (Dochte) für dieselbe. In der Vorstandssitzung vom 23.03.1931 wurde bekannt, dass „... fürderhin alle Übungen der Polizeiverwaltung (!) Recklinghausen anzumelden seien. Dieses sollte per Telefon genügen ...“. Am 07.06.1931 ist die Feuerwehrschule (FS) Münster zum erstenmal erwähnt, und bereits am 27.07.1931 „... erschienen die Wehrleute mit besonderem Interesse, galt es doch, die neuesten Errungenschaften im Feuerlöschwesen eigens zu erfahren, die der Kamerad und Schlauchwagenführer Vaut auf der FS in Münster praktisch erlernt hatte und in ernster Weise die Kenntnisse übermittelte. Es wurde achtsam gefolgt und systematisch bis ins Kleinste hantiert. Theorie wurde beifällig aufgenommen, und man erkannte, dass eine FS doch zum Nutzen für die Allgemeinheit erschaffen worden sei...“. Das Ehrengericht Das „Ehrengericht“ ist schriftlich am 14.02.1932 erstmals erwähnt. Es hatte Bestand bis zum Ende der 60er Jahre und ist dann wohl als „unzeitgemäß“ vergessen worden. Heute ist diese Einrichtung den jüngeren Kameraden unbekannt. Es hatte die schwere Aufgabe, bei Streitigkeiten zu schlichten und bei ungebührlichem Verhalten - auch im privaten Bereich (!) - Beschlüsse zu fassen, welche die „Ordnung“ wieder herstellten. Der Schriftführer notierte im Mai 1932: „... Es wurde fleißig nach den neuen Übungsvorschriften (AVF?) geübt, dass einer Besichtigung seitens des Herrn Oberbürgermeisters (OB) nichts im Wege steht. Am 19.09.1932 fand die vom OB (!) geplante Übung in Speckhorn mit der dortigen Wehr statt. Es endete mit einem Lob des Herr Witt ...“. Leider stammt aus diesem Unternehmen auch die erste Unfallmeldung.

...erlitt der Wehrmann Hesselmann sen. einen Unfall dadurch, dass selbiger unter die Magirus-leiter geriet ...“ Vom 25.09.1932 wird berichtet, dass 17 Mitglieder der Hochlarer Wehr an der gemeinsamen (!) Feier der gesamten Feuerwehr Recklinghausen sowie der Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz mit Damen im Saalbau teilgenommen haben. Am 26.03. ist der einzige Brandbericht für 1932 notiert: Samstags gegen 6.30 Uhr heulte die Sirene. Brandstelle Rottstr. 19 beim Hausbesitzer H. Burghauve. Im April 1932 ist von den Hydrantenkontrollen die Rede (diese gehören heute ein- bis zweimal jährlich zum Winterprogramm der Wehr). Aus heutiger Sicht ist klar, dass 1933/34 ein neues Kapitel der Geschichte begonnen wurde. Auf exakte Ausführungen der Arbeit wurde besonderer Wert gelegt. Daher verwundert das Wort „Exerzieren“ in Berichten nicht. Selbst der Chef der Wehr nahm diese Art von „Übungen“ persönlich in Augenschein. In Herten wird ein neuer Lehrgang „Gas- und Luftschutz“ abgehalten, und am 26.2.1933 schreibt der Chronist, dass unsere Wehr seitens des Polizeipräsidiums für den zivilen Luftschutz in die Abteilungen 16 und 16a getrennt wird. Am 11.06.1933 fand um 11.30 Uhr eine außerordentliche Versammlung statt, in der u.a. auch ein Schreiben des Branddirektors Sopp verlesen wurde, welches inhaltlich „... das Treuegelöbnis zu Hindenburg und Hitler in sich barg. Alle Kameraden erhoben sich von den Plätzen ...“. [Josef Vaut 1934 - 1939] Ob politische Querelen der Grund für die erwähnten Verunglimpfungen und Gehässigkeiten gegen die Wehr gewesen sind, ist nicht verbürgt. Ein Vorgehen gegen solche Personen ist jedenfalls mehrmals heftig gefordert worden. In der Generalversammlung vom 02.02.1934 wurde erklärt, dass sich die Wehr ihrer Aufgabe und Stellung im 3. Reich bewusst ist.

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Das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 15.12.1933 und die dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen verlangten die Auflösung der Wehr - und genau dies geschah auch. Nach Benennung von zwei Liquidatoren wurde gleich anschließend der Beitritt zum Verein „Freiwillige Feuerwehr Recklinghausen“ beschlossen. Die Verpflichtung wurde handschriftlich von jedem Kameraden besiegelt. Am 22.04.1934 trägt der Löschzug Hochlar die Bezeichnung „Halbzug 7“ und übt fortan wöchentlich (!) dienstags. Am 16.06.1934 vereidigt Branddirektor Witt die Männer des Gas- und Luftschutzes. Mit dem Bezug des Gerätehauses an der Hertener Straße 232 enden die Informationen für 1934 und für die Zeit bis 1945. Mit Sicherheit gab es in der Zeit von 1934 bis zum Ende des 2. Weltkriegs Aufzeichnungen und Unterlagen, jedoch sind diese vermutlich vernichtet worden. Wie sich Zeitzeugen bestimmt entsinnen können, waren in dem neben dem Depot gelegenen „Parteiheim“ nach dem Einmarsch Ostern 1945 eine Zeitlang amerikanische Besatzungstruppen einquartiert, die viele Sachen verbrannten.

Schon kurz nach der Kapitulation wurde auch bei der Feuerwehr ein neuer Anfang gemacht. Bereits am 13.07.1945 wurde Wilhelm „Baas“ Schäfers zum 1. Brandmeister gewählt. Der Löschzug bestand aus 24 Kameraden und hielt 1945/46 bereits 19 Übungen (auch an Sonntagen) ab. An Fahrzeugen hatte der Löschzug ein LF 8 Typ „Protus“ (mit seitlichen Sitzbänken auf dem hinteren Aufbau) und eine pferdegezogene, handbetriebene Drehleiter. Von Einsätzen blieben sie in dieser Zeit verschont. Im Jahre 1947 wurde der Löschzug Hochlar zu einem Kaminbrand im Hause Hertener Str., Alte Schule, Paul Radke, gerufen. Acht Mann konnten den Brand nur mit einer Kübelspritze erfolgreich bekämpften. Die Kameradschaft und geselligkeit wurde aus alter Tradition und in alter Frische auch in dieser schweren Zeit hochgehalten. So berichten die Chronisten, dass sich der gesamte Löschzug mit seien Frauen am 2. Weihnachtstag (!) im Lokal Vaut traf. "Hier wurde mal wieder gelacht und getanzt, gesungen und geprostet wie in alten tagen..." Aus dieser Zeit stammt das Feuerwehrlied, das von Wilhelm Schäfers getextet worden ist.

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Zu Beginn der 50er Jahre hatte sich im Löschzug Hochlar ein reges "Vereins"-Leben entwickelt. Viele junge Leute wurden in die Feuerwehr aufgenommen, um die Leistungsfähigkeit für die Zukunft zu gewährleisten. Sie absolvierten die erforderlichen Grundkurse genauso wie die Kameraden, die schon länger dabei waren und zu weiterführenden Lehrgängen zur Feuerwehrschule Warendorf gingen. Es wurde auch eigenwillige Methoden angewandt, um die Kameraden bei der Stange zu halten. So wurde 1951 beschlossen, die Abwesenheit vom Übungsabend mit bis zu 50 Pf Strafe zu belegen. Dies war damals schon eine beträchtliche Summe, zumal z.B. für den Busausflug 1952 zur Attahöhle ein Kostenaufwand von 5 DM pro Person veranschlagt wurde. Als Dank an die Kameraden und und deren Familien wurden jährlich Ausflüge gefahren, Kinderfeste veranstaltet und Kameradschaftsabende abgehalten. Aber auch feuerwehrtechnisch wurde der Löschzug Hochlar gefordert. Am 08.01.1950 z.B. bekämpften 15 Kameraden zusammen mit allen anderen Löschzügen des Stadtgebietes einen Großbrand auf dem Prospergutshof, wo größerer Schaden vermieden werden konnte. Kontakte zu anderen Wehren wurden schon damals gepflegt. So nahmen Abordnungen des Löschzug Hochlar an Feuerwehrjubiläen in Wattenscheid, Rheydt, Billerbeck und anderswo teil. Im September 1950 beging der Löschzug Hochlar - damals noch in Unkenntnis des tatsächlichen Gründungsdatums - sein 45jähriges Bestehen, das von der ganzen Bürgerschaft drei Tage lang in der Gaststätte Alt-Hochlar mit Zeltanbau gefeiert wurde. Wie auch weitere 40 Jahre später - nämlich 1990 - nahm der gesamte Kreisfeuerwehrverband teil, und der damalige Stadtbrandmeister Wilhelm Schürk äußerte sich lobend über den guten Übungsstand des Löschzug Hochlar. Der einzige störende Umstand dieser Zeit (1945-1962) war, dass kein Schulungsraum vorhanden war. Die Zusammenkünfte erfolgten in der Gaststätte Vaut. In dieser Zeit ereigneten sich in Hochlar Gott sei Dank nur kleinere Brände, die von den Kameraden in kürzester Zeit gelöscht werden konnten. Im Oktober 1958 ereigneten sich jedoch zwei Großbrände. Zuerst brannte der Hof Schulte-Oestrich. 58 Fuder Stroh und Getreide wurden vernichtet, bevor die Männer des Löschzug Hochlar zusammen mit der Altstadt-Wehr den Brand unter Kontrolle hatten. Acht Tage Brandsicherheitswache mit zwei Mann wurde rund um die Uhr erforderlich. Bei diesem Brand wurde der Löschzugführer Schäfers schwer verletzt. Nur 14 Tage später wurde auch beim Bauer Heinrich Möller die gesamte Ernte ein Raub der Flammen. Wie sich später ergab, lag in beiden Fällen Brandstiftung zugrunde. Ein weiterer Meilenstein der Feuerwehrgeschichte Hochlars wurde 1962 gesetzt. Mit der Fertigstellung des Feuerwehrwohnhauses (heute Akkoallee 38) erhielt der Löschzug am 24.11.1962 einen neuen Schulungsraum. Dieser Mangel wurde somit nach 17 Jahren behoben. Gleichzeitig konnten 8 Feuerwehrmänner mit ihren Familien in das neue Haus einziehen. Die Freude im Löschzug war entsprechend groß. Der Löschzugführer Wilhelm Schäfers, der sich den Bau des Hauses und der Errichtung eines Schulungsraums zum Ziel seiner Löschzugführertätigkeit gesetzt hatte, bat daraufhin, im Laufe des folgenden Jahres einen Nachfolger für sich zu finden.

Am 29.02.1964 wurde Heinz Vaut zum neuen Löschzugführer gewählt. Allen Kameraden war bewusst, dass mit diesem Wechsel ein ganz „Großer“ der Feuerwehr Hochlar in den Ruhestand ging. 1965 wurde der Löschzug Hochlar in den Katastrophenschutz integriert. Dies bedeutete, dass er, wie die gesamte Freiwillige Feuerwehr des Landes NRW, bei Katastrophen oder öffentlichen Notständen unter Führung der Katastrophenschutzleitung (in Recklinghausen Amt für Zivilschutz) in Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsorganisationen (THW, DRK etc.) tätig wird. In diesem Zuge erhielt der Löschzug Hochlar ein neues LF 16-TS auf Magirus Deutz. Zum schwersten Einsatz seit Jahren (nach Einschätzung der damaligen Kameraden) mussten sie in der Nacht vom 13. zum 14. August 1966. Beim Bauern Sasse in Stuckenbusch war der Blitz eingeschlagen. Das Feuer hatte sich rasch ausgebreitet, so dass die Löscharbeiten bis in den Nachmittag dauerten. Im November 1966 schied auf eigenen Wunsch der Löschzugführer Heinz Vaut aus dem Löschzug aus

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Als kommissarischer Löschzugführer wurde Willi „Schuster“ Schäfer eingesetzt. Am 18.02.1967 wurde Willi Schäfers dann zum verantwortlichen Löschzugführer gewählt. Im Frühjahr 1969 erhielt der Läschzug Hochlar die alte Scheune an der Unterstraße (alte „Oldie-Scheune“). Damit wurde im Depot an der Hertener Straße Platz geschaffen für das neue TLF 16, welches die Schlagkraft des Löschzug Hochlar beträchtlich verbesserte. Somit verfügte man zwar über Stellplätze für alle vier Fahrzeuge, jedoch mussten bei einem Alarm die Besatzungen der Unimogs nach ihrem ersten „Sprint“ zum Depot an der Hertener Straße noch einen Zweiten zur Scheune zurücklegen. Was bei der Feuerwehr Hochlar nie zu kurz kam, war die Kameradschaft und Geselligkeit. Der zur Planung von Veranstaltungen eingerichtete Vergnügungsausschuss leistete in all den Jahren gute Arbeit. Als Ergebnisse erlebten die Kameraden unvergessene Ausflüge nach Senheim, Ladbergen, ins Sauerland oder nach Senden, gemütliche Nikolausfeiern mit den Kindern und fröhliche Karnevalfeiern.

Auf der Herbstabschlussübung 1971 wurde Werner Schmitz zum neuen Löschzugführer ernannt. Willi Schäfers hatte sein Amt zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit hatte der Löschzug Hochlar zwar einige kleinere Brände zu löschen, blieb jedoch von Großbränden verschont. Um die Schlagkräftigkeit der Mannschaft zu stärken, nahm man schon seit einigen Jahren an den „Leistungswettkämpfen“ des Kreisfeuerwehrverbandes teil. Hier wurde die Beherrschung des Gerätes und des Feuerwehrwissens so wie körperliche Kondition („in jeglicher Beziehung“) verlangt. - Auch heute noch nehmen jährlich zwei Gruppen erfolgreich an den Wettkämpfen teil. 1973 erhielt der Löschzug mit einem TLF 16 wieder ein für die Brandbekämpfung schlagkräftiges Fahrzeug. Zur Herbstabschlussübung wurde der neue Schulungsraum in der alten „Mütterberatung“ direkt neben der Fahrzeughalle bezogen. Mit dem direkten Durchgang zur Halle war dies eine praktische Lösung. Im Juni 1974 wurde eine Tradition eingerichtet, die noch heute Bestand hat. Unser spätere Ehrenhauptbrandmeister Heinrich Jörgens-Kemna lud den Löschzug ein, von da an jährlich zu seinem Namenstag auf seinem Hof die sogenannte „Heinrichs-Übung“ durchzuführen.

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1975. Mit unserem TLF 16 und weiteren Kameraden aus dem Kreisgebiet wurden sie gesandt zu dem großen Wald- und Heidebrand bei Gifhorn in der Lüneburger Heide. Mit dabei waren Werner Schmitz, Hans-Jürgen Schneiders und Heinz Gahlen.

Von 1976 bis zur Gegenwart

Auf der Jahreshauptversammlung 1976 wurde Werner Schmitz von seinem Posten als Löschzugführer abgewählt. Kurt Beuers wurde kommissarisch eingesetzt. Am 04.04.1976 trat dann die neue Zugführung ihr Amt an. Löschzugführer wurde Franz-Josef Holtkamp und sein Stellvertreter Hans-Werner Röcken, welche diese Positionen über 15 Jahre inne haben sollten. Im selben Jahr wurden die ersten Verbindungen zu unserer Freundschaftswehr aus Bad Fredeburg im Sauerland aufgenommen. Aus diesen Anfängen hat sich bis heute eine gute Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen zu offiziellen Anlässen (100jähriges Bestehen der Freiwillige Feuerwehr Bad Fredeburg 1979) und privaten Treffen entwickelt. Seitdem die jüngeren Kameraden des LZ Fredeburg an unserem „Biwakleben“ großen Gefallen gefunden haben, sind sie mit rd. 10 Mann immer dabei. 1976 wurde im Rahmen des Katastrophenschutzes in Hochlar der 7. Verpflegungstrupp eingerichtet. Dazu wurde ihm ein Feldkochherd („Gulaschkanone“) zur Verfügung gestellt. Ebenfalls erhielt der Löschzug Hochlar einen zweiten Unimog TLF 8. Dafür wurde das LF 8 auf Opel Blitz, das in Hochlar - und nicht nur dort - so manche Schlacht geschlagen hatte, verschrottet.

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In 1978 wurden dann zum erstenmal junge Kameraden aus der Jugendfeuerwehr in den Löschzug aufgenommen. Die ersten Jungfeuerwehrmänner hatten in der am 1.7.1975 für den gesamten Stadtverband gegründeten Jugendfeuerwehr ihre Grundausbildung absolviert und konnten sofort zum ordentlichen Feuerwehrmann befördert werden. Fünf Hochlarer Jungen hatten die JF in Recklinghausen mitgegründet. [Jugendfeuerwehr im Jahre 1976]

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Wenn in diesem Teil der Chronik weniger auf geleistete Einsätze eingegangen wird, dann hat das zwei triftige Gründe: 1. In Hochlar ereigneten sich Gott sei Dank keine größeren Brände. 2. Einsätze sind nicht das, was der Feuerwehrmann in den Vordergrund stellt. Jeder Kamerad ist zwar für den Ernstfall gerüstet und übt dafür jahrein jahraus, aber am liebsten ist es ihm doch, wenn die Sirene nicht geht. Beim 100jährigen Bestehen des Löschzugs Altstadt im Mai 1978 begannen die Kameraden des Löschzuges Hochlar ein neues, liebgewordenes Hobby: die Vorführung einer historischen Übung mit alten Uniformen und Gerätschaften. Den Rahmen dazu bildeten "die besseren Hälfen" der Kameraden, die in Zivilkleidung der Zeit um die Jahrhundertwende erschienen waren. Dass diese Übung mittlerweise zu einem Leckerbissen für das Publikum geworden ist, konnte dadurch geschehen, dass einige Kameraden aus einigen unscheinbaren Überresten einer alten, handbetriebenen Feuerlöschpumpe, die bei der Entrümpelung der alten Feuerwehrscheune gefunden wurden, in mühseliger Kleinarbeit wieder in eine schmucke, voll funktionsfähige Pumpe verwandelt haben. Von ihrer Funktionsfähigkeit konnten sich sogar schon die Bürger unserer Partnerstadt bei einem Festumzug in Douai überzeugen. Eine neue Aufgabe... Ein weiteres Aufgabenfeld übernahm der Löschzug Hochlar in 1981. Seitdem ist bei jeder Veranstaltung (bis zu 80 Stück im Jahr !) im Städtischen Saalbau (Konzerte, Karnevalssitzungen etc.) eine Abordnung anwesend, die für die Brandsicherheit zu sorgen hat. Nach jahrelangen und zähen Verhandlungen mit der städtischen Wehr- und Verwaltungsspitze kam in den Jahren 1983 und 1984 Bewegung in die wenig zufriedenstellenden Unterbringungsverhältnisse des Löschzugs Hochlar. Wohl schon im Hinblick auf die in 1984 geplante Fertigstellung des neuen Gerätehauses an der Averdunkstrasse wurde ein Jahr vorher bereits die alte „Feuerwehr-Scheune“ an der Unterstrasse aufgelöst. Das hatte jedoch zur Folge, dass die beiden TLF 8/18 auf Mercedes-Unimog verschrottet bzw. zum LZ Ost verlegt wurden. Auslöser für ein neues Kapitel der Löschzug-Geschichte war, dass beim „Entrümpeln“ mehrere Einzelteile einer historischen Handdruckspritze gefunden wurden (siehe in der Rubrick "Historisch"). Im Beisein aller Politiker von Rang und Namen, der Wehrführung und weiterer Feuerwehrleute sowie der Hochlarer Bevölkerung wurde dieser stolze Augenblick für den Löschzug Hochlar entsprechend gefeiert. Auch bei den Einsatzfahrzeugen tat sich etwas. Zur Weihnachtsfeier 1984 erschienen der Stadtbrandmeister Ernst Schlüter und Amtsleiter Peter Henneke mit einem „nagelneuen“ LF 16-TS auf Mercedes Benz-Chassis, um es beim Löschzug Hochlar in Dienst zu stellen. Die Freude war natürlich entsprechend groß. Bei der - im Löschzug Hochlar - traditionellen Fahrzeugeinsegnung im März 1985 übernahm Heinrich Jörgens-Kemna, der im gleichen Jahr zum ersten „Ehrenbrandmeister“ des Löschzug Hochlar ernannt wurde, die Patenschaft über das Fahrzeug. Er prägte dabei den über die Grenzen hinaus bekanntgewordenen Satz: „Es möge immer ein großes Spielzeug bleiben“. Auch die historische Handdruckspritze aus dem Jahre 1900 war zu diesem Tage fertiggestellt worden und konnte in prächtig restaurierter Verfassung dem staunenden Publikum präsentiert werden. Die dankenswerte Mühe der „Restaurateure“ wurde entsprechend gewürdigt. Zu dem Titel des „Ehrenbrandmeisters“ ist zu erwähnen, dass dieser vom Löschzug Hochlar bisher nur einigen wenigen Bürgern (seit 1985 fünf Mal) verliehen wurde, die sich - ohne selbst Mitglied der Feuerwehr zu sein - jeder auf seine ganz spezielle Art und Weise für die Kameraden in Hochlar eingesetzt haben. Am 30. September 1986 wurde ein neues Kapitel der Löschzug-Geschichte endgültig eröffnet. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 750jährigen Stadtjubiläum von Recklinghausen erfolgte vor dem Rathaus der „Wachwechsel“ an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Recklinghausen. Günter Wienke löste den 60 Jahre alt gewordenen Ernst Schlüter als Stadtbrandmeister ab. Dabei fand die erste historische Übung des Löschzug Hochlar mit der alten Handdruckspritze statt: Ein „Brandstifter“ hatte eine Fachwerkhütte in Brand gesetzt, aus der ein „Liebespaar in flagranti“ flüchten musste. Die wachsamen „Türmer“ der Stadt alarmierten per Alarmhorn die Feuerwehrmänner, welche beim Einsatz des „modernen“ Löschgeräts so ihre Probleme hatten. Die „Eimerkette“ musste helfen und mit einigen „Leibesübungen“, die durch den erschienenen „Inspekteur“ angeordnet wurden, wurden die „Löschknechte“ in Schwung gebracht, sodass die Bedienung der Pumpe schließlich klappte und die (kümmerlichen) überreste der Hütte gelöscht werden konnten. Eine mit viel Klamauk und schauspielerischem Talent vorgetragene Übung, die beim Publikum sehr gut ankam und „Keimzelle“ für ein neues Hobby der Kameraden des Löschzug Hochlar wurde. Der Feuerwehralltag holte uns wenige Wochen später beim Großeinsatz bei der Firma Slibotex in RE-Süd ein. In einem schweren 12stündigen Einsatz aller Löschzüge der Stadt konnte zwar die Produktionshalle der Firma gehalten werden, das gesamte Teppichlager brannte samt Halle jedoch komplett ab. 1987 ließen wir dank der finanziellen Unterstützung großherziger Gönner den Eingangsbereich am Gerätehaus durch den bekannten Künstler Willi Nitzbon mit dem „Heiligen St. Florian mit fliehendem roten Hahn“ ausmalen. Eine schöne Sache, wie uns Passanten öfter bestätigen. Mit dem im gleichen Jahr in Dienst gestellten neuen LF 16-TS auf Magirus wurden wir im Oktober zum Brand der Firma Mercedes Lueg an der Rottstrasse gerufen, die trotz Großaufgebot der FF Recklinghausen größtenteils abbrannte. Dabei machten einige „fliegende“ Druckgasflaschen enorme Probleme. Gleich zum Jahresbeginn 1988 hatten wir es mit einem nicht alltäglichen Einsatz zu tun. Beim Bauern Josef Sasse waren mehrere Betonspaltenböden über dem Güllekanal weggebrochen, auf dem rd. 10 Jungbullen gehalten wurden. Zwei der Tiere waren in den ca. 1,50 m tiefen halbvollen Graben gestürzt. Nachdem die übrigen, sehr unruhig gewordenen Tiere losgekettet und aus dem Stall getrieben werden konnten, musste für die beiden anderen Tiere eine Art „Rutsche“ gebaut werden, über die sie mit an den Hörnern befestigten Arbeitsleinen mit vereinten Kräften herausgezogen wurden. Der herbeigerufene Tierarzt konnte nach der über zweistündigen Rettungsaktion einen guten Zustand der Tiere feststellen. Wohl wegen des guten Eindrucks, den unsere historische Übung 1986 vor dem Rathaus gemacht hatte, wurden wir im Sommer 1988 von unseren Stadtvätern als Delegation der Stadt Recklinghausen in unsere französische Patenstadt Douai geschickt, um dort mit der historischen Pumpe an dem großen Festumzug anlässlich des Stadtgründungsfestes „Fêtes des Gayants“ teilzunehmen. Das Wochenende wurde zu einem unvergessenen Ausflug mit Geschichtsunterricht. Die Zollplombe hängt heute noch an unserer Pumpe. Durch die Neubeschaffung des Bundes-RW 1, dem das alte TLF 16 (Magirus v. 1965) Platz machen musste, trat für vier Jahre ein fast undenkbarer Zustand für eine Feuerwehr ein, welcher nur durch die Fahrzeuge des hauptamtlichen Löschzugs aufgefangen werden konnte: Kein Fahrzeug im „Stall“ hatte Wasser an Bord !! Vielleicht stammt aus dieser Zeit die Textpassage des Liedes vom Hochlartal: „... da gibt’s ‘ne Feuerwehr, die hat kein Wasser mehr, im schönen Hochlartal“. 1990 feierten wir dann unser 90jähriges Bestehen: Unsere Nachbar- und Freundschaftslöschzüge bestritten ein Fußballturnier, das in der ersten Wochenhälfte unter sengender, staubiger Hitze litt, an den Schlusstagen beinahe in Regengüssen „ertrunken“ wäre. Am wetterbeständigsten erwies sich der LZ Speckhorn. Am Festwochenende hatten wir eine Fahrzeugshow organisiert, die Löschzüge Ost und Suderwich führten Übungen vor und mit allerlei kurzweiligen Vorführungen unterhielten wir die zahlreichen Gäste. Beim Festball wurde der Geburtstag gebührend gefeiert, und am Sonntag zogen wir mit allen angereisten Zügen des Kreises Recklinghausen durch den Ortsteil. Ein Programm, das genug Anreiz ist, um zum 100-jährigen noch eins draufzusetzen! Im März 1992 trat der stellvertretende Löschzugführer Hans-Werner Röcken von seinem Amt zurück, um für die in absehbarer Zeit notwendig werdende Verjüngung der Führungspositionen Platz zu machen. Sein Nachfolger wurde Andreas Schulte-Sasse aus dem Kreis der jüngeren Brandmeister. Hans-Werner Röcken, der sich als „Löschzugchronist“ einen Namen gemacht hat, wurde Pate über das städtische TLF 16/24 Tr, durch dessen Indienststellung Ende 1992 endlich der „wasserlose“ Zustand des Löschzugs beendet wurde. Die Beschaffung machte sich schon wenige Tage später bezahlt, als zu Weihnachten ein Kellerbrand in einem Reihenbungalow in der Rottkämpe den Einsatzkräften alles abverlangte. Bevor die historische Pumpe im Sommer 1993 zu unserer Patengemeinde Senheim a.d. Mosel erneut auf Reisen gehen sollte, wurden wir in der Nacht vorher zur Nachbarschaftshilfe nach Herne alarmiert, wo ein Großbrand in einer Palettenfabrik zu bekämpfen war.

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Zur gleichen Zeit hatte auch der amtierende Löschzugführer Franz-Josef Holtkamp den Entschluss gefasst, noch vor Ende seiner aktiven Dienstzeit einer neuen Löschzugführung die Möglichkeit der „Einarbeitung“ zu geben. Im Rahmen einer Sonderübung am 09.10.1993 übergab er deswegen sein Amt an den von den Kameraden des Löschzugs gewählten neuen Löschzugführer Andreas Schulte Sasse, der mit seinem Stellvertreter Norbert Kaiser die Geschicke des Löschzugs lenken sollte. Damit trat eine der auffälligsten Figuren der jüngeren Löschzug-Geschichte aus der ersten Reihe zurück. Da Feuerwehrmänner schon von Hause aus sehr technikinteressiert sind, wurde ab 1994 die Gelegenheit zu einer kameradschaftlichen Verbindung mit einer Instandsetzungskompanie der Bundeswehr in Dülmen genutzt, mit der seitdem gegenseitige Veranstaltungen durchgeführt werden, bei denen man das Metier der jeweiligen „Kollegen“ auch in praktischer Form kennenlernen kann. Diese Freundschaft hat sich mittlerweile zu einer festen „Größe“ im Löschzugleben entwickelt.

1995 muss als historisches Datum in der Entwicklung der Feuerwehr Recklinghausen gewertet werden, da mit Einführung der digitalen Alarmierung, bei der jeder Feuerwehrmann einen tragbaren Melder bekommen hat, das Zeitalter der Sirene grundsätzlich vorbei war. Sie wird jetzt nur noch für den Fall eines technischen Defekts bereitgehalten. Am 12.Juli 1995 ergoss sich über Hochlar und andere Ortsteile von Recklinghausen ein dermaßenes Unwetter (60 Liter Regen pro m² in einer halben Stunde !!!), dass das Wasser teilweise kniehoch !!! über Hochlars Strassen in viele Keller lief. Es gingen rd. 150 Notrufe ein, von denen die schwerwiegendsten (Wasser bis zur Kellerdecke !) zwischen 18.00 und 3.30 Uhr erledigt wurden. Die übrigen erledigten sich - zumindest für die Einsatzkräfte - durch ein wenig Geduld. Durch bundesweite Umstrukturierungen des Katastrophenschutzes, der nach dem offiziellen Ende des Kalten Krieges nicht mehr in dem Maße für notwendig gehalten wurde, erfolgte im selben Jahr die Auflösung des 7. Verpflegungstrupps mit gleichzeitigem Abzug der „Gulaschkanone“. Nach 19 Jahren war dieses Kapitel in Hochlar beendet. 1997 gelang uns eine Premiere im wahrsten Sinne des Wortes. Die Silvesterkracher waren noch nicht verklungen, als uns der Funkmelder zum ersten Einsatz des Jahres rief. Am Gerätehaus eingetroffen erwies sich der Einsatz als bereits erledigt, mitten in den gegenseitigen Neujahrswünschen wurden wir telefonisch jedoch bereits zum nächsten Einsatz alarmiert, bei dem wir eine von Feuerwerk in Brand geratene Hecke „on the rocks“ (-15 °C) löschten. In der Einsatzstatistik 1997 der Freiwilligen Feuerwehr Recklinghausen konnten wir die Einsatznummern 1 und 2/1997 für uns verbuchen. Da die Nachttemperaturen seit Weihnachten bei ca. -20 °C lagen, gelang uns Anfang Januar ein seit langem geplantes Projekt, nämlich einmal die „Eisrettung“ unter realen Bedingungen zu üben. In die über zwanzig Zentimeter dicke Eisdecke des Angelteichs „Am Spring“ sägten wir ein zwei mal zwei Meter großes Loch und legten einen 85 kg schweren Dummy in’s Wasser. So konnten verschiedene Methoden, den „eisigen“ Kollegen zu retten, geprobt werden. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen. Im Frühjahr 1997 wurde ein Vorschlag an uns herangetragen, der sich im weiteren Verlauf als das große Highlight des Jahres herausstellen sollte: Ein früherer Feuerwehr-Kamerad aus Ost, der mittlerweile bei der Berufsfeuerwehr Köln beschäftigt war, erinnerte sich bei den Planungen der Berufsfeuerwehr Köln zu deren 125jährigem Jubiläum an uns und unsere historische Pumpe. Es sollte vor großem Publikum ein Wettbewerb für historische Handdruckspritzen um den Preis der „Goldenen Domtürme von Köln“ ausgetragen werden, zu dem bereits Gruppen aus Bayern und auch Sachsen eingeladen worden waren. So wurden auch wir als „Vertreter Westfalens“ eingeladen, am 5.7.1997 auf dem Neumarkt in Köln anzutreten. Hier ergab sich, dass beim Wettkampf Zustand und Alter von Pumpe und Uniformen, Korrektheit des „Exerzierreglements“ und Pumpenleistung bewertet werden sollten. Vielleicht hatten wir ein wenig Glück, als letzte der elf Gruppen starten zu dürfen. Jedenfalls hatten wir unsere Übung - sehr zum lauthalsen Gefallen des zahlreichen Publikum’s - mit einigen spaßigen Einlagen gespickt, sodass die Schiedsrichter nachhaltig beeindruckt schienen. Der vergleichsweise hervorragende Zustand unseres Gerätes tat sein Übriges. Als bei der Siegerehrung von Platz 11 bis Platz 2 unser Name immer noch nicht gefallen war, gab es kein Halten mehr. Alle Teilnehmer, die meisten mit ihren Familien angereist, waren vor Freude und Stolz außer Rand und Band. Ein unvergesslicher Tag für Alle, die dabei waren. Gleichzeitig eine hervorragende Repräsentation unserer Stadt, die von Bürgermeister Welt entsprechend gewürdigt wurde. Aber das sollte noch nicht alles aus dem Jahre 1997 gewesen sein. Ein langgehegter, ja uralter Wunsch ging endlich in Erfüllung: Der Löschzug Hochlar erhielt im Rahmen des Beschaffungskonzepts der Freiwilligen Feuerwehr Recklinghausen ein Löschgruppenfahrzeug LF 16/12, welches bis heute noch als das feuerwehrtechnisch umfassendste Fahrzeug (u.a. 1600 l Löschwasser, Ausrüstung für techn. Hilfe) gilt. Neue Ausbildungs- und Bedienungsansprüche an die Kameraden galt es zu bewältigen, was mit Feuereifer angegangen wurde. Es konnte nicht anders sein, als dass derjenige Mann Pate über das Auto wurde, welcher während seiner aktiven Dienstzeit die Beschaffung des Fahrzeugs zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit gemacht hatte, nämlich unser ehemaliger Löschzugführer Franz-Josef Holtkamp. So prangt denn auch der Schriftzug „Sepp’l“ an unserem Flaggschiff, von dessen Taufe wegen einiger „unwürdiger Rahmenbedingungen“ letztendlich sogar das Fernsehen berichtete. . . Zum ersten größeren Einsatz wurde das neue Auto Gründonnerstag 1998 gerufen, als im Dachgeschoss des Stadthauses A ein Brand ausgebrochen war, zu dessen Bekämpfung fünf Löschzüge des Stadtverbands alarmiert wurden. Dass auch eine fast hundert Jahre alte Institution noch Neues erleben kann, zeigte sich im Herbst 1998. Nach über 98 Jahren bewarb sich die erste Feuerwehrfrau beim Löschzug Hochlar. Obwohl sich der eine oder andere Kamerad vielleicht schwer getan haben mag (südlippisches Landrecht: „Das gab’s noch nie...“), wurde Simone Riepert einstimmig in den Löschzug Hochlar aufgenommen. Und wer meint, dass unsere historische Pumpe schon alles erlebt haben muss, auch der wurde eines Besseren belehrt. Wir wurden von einer Entertainment-Firma angesprochen, ob wir nicht beim Festumzug zum „Tag der Deutschen Einheit“ in Berlin mitwirken wollten !! Für diese Entscheidung brauchten wir keine Bedenkzeit. Die Pumpe wurde auf einen Kleinlaster verladen, die 14 Teilnehmer bestiegen den Bus der für Nordrhein-Westfalen mitwirkenden Gruppen und am 3.10.1998 morgens um 6.00 Uhr waren wir an der Technischen Universität Berlin, wo man sich umziehen konnte. Um 13.00 Uhr erfolgte im Schneeregen !! die Aufstellung auf der Strasse des 17. Juni. Um 15.30 Uhr startete der Zug durch das Brandenburger Tor (ein unbeschreiblicher Augenblick), live übertragen vom ZDF, über die Strasse „Unter den Linden“ bis hin zum Roten Rathaus. Ein Wahnsinnstag, der nur schwer zu überbieten sein wird !?! Da die Außergewöhnlichkeit solcher Ereignisse den „normalen“ Übungsbetrieb schnell verblassen lässt, noch mehr aber die Bemühungen um ein anspruchsvolles Übungsprogramm für ein hohes Ausbildungsniveau ließen uns zuletzt einige „Projekte“ verwirklichen, die schon länger geplant waren. Mit der Ausrüstung der BF Herne führten wir einen Übungsnachmittag am Rhein-Herne-Kanal durch, bei dem wir das Ausbringen von Ölsperren mit einem motorgetriebenen Schlauchboot und die Vornahme von Schwimmpumpen üben konnten. Die eigene Leistungsfähigkeit prüften mehrere Feuerwehrmänner in der Grubenwehr-Übungsstrecke des Bergwerks Ewald/Hugo in Herten und auf dem Betriebsgelände der Kokerei Prosper in Bottrop simulierten wir einen Schadenfall, bei dem Natronlauge freigesetzt wurde. Wenn dann das Jahr 1999 für viele unter dem Eindruck des ausgehenden Jahrtausends stehen mochte, so ist auch der 100. Geburtstag einer Institution, die hin und wieder - nicht unzutreffend - als die „älteste Bürgerinitiative der Welt“ bezeichnet wird, kein Grund zum Zurücklehnen. Mit der Zeit einhergehende veränderte Einsatzschwerpunkte, aber auch ein sich stetig wandelnder Stellenwert des „Hobby’s Feuerwehr“ im Gesamtfreizeitangebot erfordern schon den/die ganze/n Feuerwehrmann/-frau. Die Mitglieder des Löschzug Hochlar sind auch im zweiten „Löschzugjahrhundert“ bereit, sich diesen Aufgaben zu stellen.

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